Dienstag, 7. Juni 2011
Auswirkungen von Lohnerhöhungen
Unser Binnenmarkt ist seit Jahrzehnten unterentwickelt. Das Hauptinstrument zur Stärkung ist eine Erhöhung der Massenkaufkraft. Die FDP fordert dazu „mehr Netto vom Brutto“. Das bringt nichts, wie meine Ausführungen zur Senkung der Einkommensteuer belegen. Einzig sinnvoll ist die Forderung nach „mehr Brutto“, also höheren Löhnen, Gehältern, Renten und Sozialleistungen.
Bei der Begründung dieser Vorgehensweise zeigen sich die Unterschiede zwischen der betriebs- und der volkswirtschaftlichen Sicht besonders deutlich und konfliktreich.

1. Wettbewerbsfähigkeit
Das Einzelunternehmen argumentiert mit dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Das ist korrekt. Aber niemand verlangt Lohnerhöhungen von einem Einzelunternehmen. Die gesamte Branche muss im Gleichschritt Lohnerhöhungen vornehmen. Flächentarifverträge sind das geeignete Instrument. Dann ändert sich an der Wettbewerbssituation nichts.
Für den Wettbewerb mit ausländischen Firmen gilt das oben gesagte natürlich nicht. Eventuell reduziert sich unser Export. Was wir bei unserer Exportlastigkeit aber gut vertragen können. Eine Reduzierung unseres Handelsbilanzüberschusses ist aus europäischer Sicht sogar zu begrüßen.

2. Finanzierung
An dieser Frage zeigt sich besonders krass, wie kurz die betriebswirtschaftliche Sicht greift. Betriebe, staatliche Verwaltungen und Regierungen sehen nur die höheren Personalkosten und blicken nicht weiter.
Höhere Personalkosten bringen aber mehr Kaufkraft, mehr Umsatz, mehr Steuern, weniger Arbeitslose, geringere Sozialkosten. Durch Simulationsrechnungen kann man nachweisen, dass bei der heutigen Situation in Deutschland alle Beteiligten profitieren würden, die Bevölkerung, der Staat und die Unternehmen.

3. Warum tun wir nichts?
Unsere Wirtschaftspolitik wird weitgehend von den Großunternehmen bestimmt. Sie vertreiben ihre Waren zu etwa 70% im Exportmarkt. Deshalb wird der Exportmarkt so intensiv auf Kosten des Binnenmarktes gefördert. Die Schäden für die Bevölkerung, den Staat und die inländischen Unternehmen interessieren die Großunternehmen nicht. Ihre Profite stimmen und sie fühlen sich obendrein geschmeichelt, „Global Player“ zu sein.

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